Die Börse feiert ihre Stars von morgen, aber Staatsverschuldung in Spanien auf Rekordhoch

 |  Mai 24 2013

Finanzkontor Mallorca
Christoph Albeck, Geschäftsführer von Finanzkontor auf Mallorca

Verrückte Welt an der Börse in Madrid: der spanische Leitindex steigt von einem Hoch zum Nächsten. Investoren in Party-Laune. Verdoppelung der Aktien in einem Monat: nicht an der NYSE, sondern im Mercado Continuo in Madrid. Das ist die eine Seite. Die andere: die Arbeitslosigkeit ist auf Rekordhoch, die Haushaltslage dementsprechend katastrophal. In diesem Beitrag erfahren Sie die Gründe für die unterschiedliche Entwicklung

spanische Staatsschulden auf neuem all time high

Die spanischen Staatsschulden erreichen einen neuen Höchststand. Nach Daten, die nun in der spanischen Wirtschaftszeitung Expansion veröffentlicht wurden ist mit 923,3 Mrd EUR ein neuer Höchststand erreicht in Bezug auf das spanische Brutto-Inlandsprodukt BIP. Die Schulden betragen nun 87,8% des BIP.
Besorgnis erregend ist nicht die tatsächliche Höhe (die Euro-Zone hat eine durchschnittliche Verschuldung von 87,2%, Deutschland von 82%), sondern die Dynamik der Entwicklung: vor sechs Jahren – also vor Ausbruch der Krise – lagen die spanischen Staatsschulden bei nur 60% des BIP.

Allein die Zunahme der Verschuldung Rekord verdächtig: im Monat Februar lag sie bei rekordverdächtigen 10 Mrd EUR. Das heisst, in nur einem Monat nahm die öffentliche Verwaltung in Spanien rund 10 Mrd EUR neue Schulden auf!

Die Gründe des Dilemmas sind bekannt:

Häusermarkt in der Krise

Speziell auf dem Festland, wo nach wie vor hunderttausende von Neubauten auf einen Käufer oder auf die Abrissbirne warten, aber auch zunehmend auf Mallorca, stehen Wohnungen und Häuser blöckeweise leer.

Die Vollbremsung im Bau liegt nun zwar gut vier Jahre zurück, aber der Markt ist immer noch am Boden. Und täglich kommen neue Objekte auf den Markt: Häuser und Wohnungen von Spaniern, die die Hypothekenraten nicht mehr bezahlen können. Da sie nicht in touristischen Gebieten liegen, können sie auch nicht vom stabilen Ausländermarkt absorbiert werden.

Bankenkrise noch nicht verarbeitet

Auch der Zusammenbruch des öffentlich-rechtlichen Sparkassen-Sektors ist noch nicht verarbeitet. Sicher, es wurde die Bad Bank gegründet; Immobilien wurden in diese Bank ausgelagert, die Kapitaldecke der spanischen Banken wurde saniert.
Aber es gibt nach wie vor zuviele Angestellte in zu vielen Finanzinstituten. Bei Rekord-Arbeitslosigkeit will man die Banker nicht auch noch auf die Strasse schicken.
Der ehemalige Chef der spanischen Sparkasse Caja Madrid, Miguel Blesa, sass in Untersuchungshaft und wurde nur gegen Kaution freigelassen – sein Pass wurde eingezogen.

Die Aufarbeitung der Krise liegt jetzt bei den Gerichten und kann Jahre dauern.

Arbeitslosigkeit unhaltbar hoch.

Die Arbeitslosigkeit ist so hoch, dass sie mittlerweile in keine Statistik mehr reinpasst. Allein auf Mallorca rechnet man, das 30.000 Menschen sich gar nicht mehr arbeitslos melden, weil sie keinerlei Hoffnung mehr auf einen Job haben.

Insgesamt sind in Spanien 6,2 Mio Menschen als Arbeit suchend gemeldet, rund 3 Mio davon sind Langzeit-Arbeitslose (länger als 12 Monate Arbeit suchend). D.h., rund 48% der Arbeit suchenden sind Langzeitarbeitslose. Die Wahrscheinlichkeit, einen Job zu bekommen, sinkt aber mit jedem Monat, den die Arbeitslosigkeit andauert.

Belastungen auf Jahre hinaus für die spanischen Sozialsysteme.
Ein Einhalten der Maastricht-Kriterien und ein Einhalten der europäischen Stabilitätspakte erscheint pure Illusion.

spanische Aktien bei internationalen Investoren wieder beliebt!

Warum steigt dann der Ibex35 dennoch von einem zum nächsten Jahres-Höchststand?

1. Weil Spanien und Ibex35 nur wenig miteinander zu tun haben.

Der Ibex35 ist ein Kapitalisierungsindex. Er misst nicht die spanische Wirtschaft insgesamt, sondern gibt die Entwicklung der am stärksten kapitalisierten Unternehmen (ponderiert in Bezug auf den free flow an Aktien) in Spanien wieder.
Das sind zuerst Namen wie Telefonica, Santander und BBVA. Und diese Firmen wachsen vor allem im Ausland, d.h. ausserhalb Spaniens.
Deshalb steigen deren Kurse, obwohl sie in Spanien Verluste machen.
In Deutschland prominentestes Beispiel ist vielleicht die Firma ACS, die mit der feindlichen Übernahme von HochtTief von sich reden machte.

2. Weil die Börsen zukünftige Unternehmensgewinne antizipieren.

Wenn man sich den Indice general des Mercado Continuo in Madrid anschaut, bekommt man ein genaueres Abbild der spanischen Wirtschaft.

Insgesamt erhöhten sich die Exporte aus Spanien während der Krise um 10%, die Produktivität sogar um 11%.

Das hat dazu geführt, das die Aktien von einem im Ausland eher unbekannten Unternehmen wie Natraceutical in einem Monat um 90% gestiegen sind. Sogar das Immobilien-Unternehmen Realia hat ein Börsen-Plus von 57% zu verzeichnen. Oder La Seda +42%. Das sind die Kursgewinne der letzten vier Wochen wohlgemerkt!

3. Weil Spanien trotz Immobilienblase und Bankenkrise auch ein Industriestandort ist. Die Gewichtung des Industriesegments einschl. Energie beläuft sich auf rund 20% des PIB. Das ist nach Deutschland und Italien Platz drei der Eurozone.

Konzerne wie Teka, Inditex, Gamesa, ACS, Camper, CAF, Iberdrola, Endesa, Ascaso, Telefonica und Repsol sind Weltmarken und in vielen Ländern der Welt vertreten. Vor allem Großunternehmen werden von den drastischen Arbeitsmarktreformen im Heimatland profitieren. Und damit steigen deren Börsenbewertungen.

Fazit:

Der spanische Kapitalmarkt befindet sich in einer Phase der Bodenbildung. Die Aussichten der spanischen Exporteure sind sehr gut: im Heimatland macht der Staat seine Hausaufgaben, indem Regulierungen vor allem für Grossunternehmen abgebaut werden. Die Internationalisierung wird erleichtert durch jahrelange Kooperationen mit lateinamerikanischen Ländern. Sprache und Kultur verbindet.

Auf der anderen Seite agieren Dow und DAX auf All time high. Da oben wird die Luft dünn. Die scharfe Korrektur der Börse in Japan diese Woche hatte so gut wie keine Auswirkung auf den Ibex35. Viele Investoren schauen auch deshalb verstärkt nach Spanien; insbesondere Dividenden-Papiere sind gefragt. Selbst in der Krise zahlten die spanischen Firmen Rekord-Dividenden.

Wenn Sie Interesse an einer Beratung zum spanischen Kapitalmarkt haben oder wenn Sie wissen möchten, welche Exporteure in Spanien demnächst auf der Buy Liste stehen, vereinbaren Sie einen Beratungstermin mit Christoph Albeck von Finanzkontor in Palma de Mallorca. Oder Sie melden sich ganz einfach zu unserem Newsletter an. Dann werden Sie wöchentlich informiert über Themen, die auf Mallorca bewegen.

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