Zinsen: veränderte Rahmenbedingungen

By Christoph Albeck

Zinsen Anstieg vernichtet Anleihe-Rendite

Zinsen: veränderte Rahmenbedingungen erfordern Neuausrichtung
Die Niedrig-, Null- oder sogar Negativ-Zinsen quälen deutsche Sparer seit Jahren. Und haben ein
allmähliches Umdenken ausgelöst. Laut einer Studie stecken heute mehr Bundesbürger Geld in Aktien und Fonds. Gegenüber 2012 konnte man einen Anstieg um fast ein Viertel beobachten. Ist dies der Anfang eines längerfristigen Umdenkens? Oder steht die Veränderung des deutschen Sparverhaltens schon wieder vor dem Ende, dann nämlich, wenn es vielleicht schon bald wieder (höhere) Zinsen geben sollte?

In diesem Jahr ließ die Deutsche Asset Management, vormals DWS und Fondstochter der Deutschen
Bank, die „böse Null“ auf die Sparer los. Das grimmige, rote Monster frisst das Geld der Sparer auf, denn Nullzinsen können den Kaufkraftverlust des Geldes nicht aufhalten.

Ob aus wirklicher Überzeugung oder Frustration hat sich das Sparverhalten zumindest bei jedem Zweiten verändert. Wie eine Umfrage des Online-Umfrage-Unternehmens Toluna im Auftrag der Fondsgesellschaft Fidelity ergab, macht nur noch rund die Hälfte der Deutschen weiter wie zuvor.

Ein Viertel der Befragten gab an, weniger zu sparen und mehr zu konsumieren. Weitere 24 Prozent investieren heute mehr Geld in Aktien oder Fonds als vor fünf Jahren. Durch die Niedrig-Zinsen sind laut Fidelity nun mehr Sparer bereit, Finanzprodukte mit höheren Renditechancen zu nutzen.

Die Ergebnisse lassen vermuten, dass eine Mehrheit der Deutschen auf höhere Zinsen hofft. Wertpapieranlegern wäre ein rascher und weitreichender Zinsanstieg dagegen nicht willkommen. Denn
steigende Zinsen wirken tendenziell negativ auf die Aktienkurse, da höhere Zinskosten die Investitions-
und Konsumbereitschaft dämpfen. Gemessen an den Kursen festverzinslicher Wertpapiere stellen steigende Zinsen eine unmittelbare Belastung dar. Über einen Kursrückgang passt sich die Rendite automatisch den neuen Gegebenheiten an.

Zinsen der Notenbanken führen zu Börsen-Spekulation

Es verwundert nicht, dass an den Börsen die zukünftige Zinsentwicklung eines der beherrschenden
Dauerthemen ist. Seit geraumer Zeit wird an den Kapitalmärkten über eine allmähliche Normalisierung
der Zinsen in Euroland spekuliert, nachdem die Rückkehr zu positiven Zinsen in den USA schon fortgeschritten ist. Dort hatte die Notenbank zunächst ab 2013 ihre umfangreichen Anleihekäufe
schrittweise auf null reduziert und dann die Leitzinsen nach und nach erhöht, inzwischen viermal um je einen Viertel Prozentpunkt.

Ähnlich könnte es auch in Euroland ablaufen: Im Herbst schon dürfte die Europäische Zentralbank
(EZB) ankündigen, ihre Anleihekäufe zu verringern. Eine erste „Anpassung“ ihrer Aufkäufe hatte sie schon durch die Reduktion von 80 auf 60 Milliarden Euro pro Monat vorgenommen. Nun wird zunehmend darüber spekuliert, dass das Volumen der EZB-Anleihekäufe spätestens im Laufe des Jahres 2018 schrittweise auf null reduziert werden könnte. Etwas später, wohl im Jahr 2019, könnte die EZB dann erstmals seit 2011 ihre Zinsen wieder anheben. Kommen also die guten Zeiten für Sparer wieder, während Wertpapieranleger dann schlechter abschneiden?

Bis auf Weiteres und langfristig dürften Wertpapieranleger weiter die besseren Karten haben. Der
Ausstieg der Europäischen Zentralbank aus ihrer Nullzins-Politik wird mindestens ein, zwei Jahre
in Anspruch nehmen. Und selbst dann wird kaum das Zinsniveau erreicht sein, das früher als „normal“
galt. An eine Rückkehr zum langfristigen Durchschnittszins früherer Jahrzehnte glaubt kaum ein Kapitalmarktexperte. Zudem könnte die Inflationsrate ebenfalls steigen und oberhalb der Spar- und
Festgeldzinsen bleiben, so dass höhere Zinsen den Kaufkraftverlust des Geldes weiterhin nicht einmal ausgleichen können.

Selbst die Zinswende läuft damit Gefahr, zu einer Enttäuschung für eingefleischte Sparer zu werden,
weil die gewohnten Verhältnisse nicht einmal ansatzweise wiederhergestellt werden. An dieser Stelle bleibt die dringende Empfehlung, das eigene Depot auf diese Gegebenheiten hin zu überprüfen und die langfristige Aktienquote für nicht liquide vorgehaltene Mittel in Abhängigkeit vom Lebensalter zu erhöhen.

Sprechen Sie mit uns – wir analysieren gemeinsam mit Ihnen, wie Sie sich am besten auf die Situation einstellen und durch geschicktes strategisches Vorgehen nachhaltig davon profitieren.

Jetzt gratis Ratgeber anfordern!
der führende Blog zur Immobilienfinanzierung, Geldanlage und zu internationalem Vermögensschutz. Jetzt gratis Ratgeber anfordern.
Wir schützen Ihre Privatsphäre und geben Ihre Email nicht weiter!