Banco Popular Pleite – Finanzkontor Kunden nicht betroffen 

Banco Popular ist vom Banco Santander gekauft worden. Für 1 Euro.
So schnell kann es gehen bei Bankenpleiten – und dieses Mal ist es eben nicht mehr gut gegangen. Die Bank wurde von der Politik nicht gerettet. Das ist das Fazit der Abwicklung des einstmal stolzen Banco Popular in Spanien. Wie zahlreiche Medien berichteten, hatte sich die Liquidität – die Achillesferse im Geschäftsmodell Bank – innerhalb weniger Tage dramatisch verschlechtert. Einen guten Bericht über die Ereignisse letzten Montag und Dienstag und entsprechende Hintergrundinformationen erhalten Sie im ersten Teil von diesem Artikel im Handelsblatt. (Leider ist der weitere Teil des Artikels dem Banken-Lobbyismus „alles ist gut – keine weiteren Probleme“ geschuldet…)
Aktionäre haben beim Banco Popular ihr gesamtes Kapital verloren. Die Aktie wird von der Börse genommen.

Banco Popular: so schnell kam die Pleite

Als die EZB am letzten Montag den Daumen senkte, begann ein Bank-Run auf die Ersparnisse, in Spanien „Depósitos“ genannt. Die Bank weigerte sich darauf, am Dienstag die Schalter zu öffnen. Um die Dramatik zu verdeutlichen, muss man sehen, dass Sparer in Spanien vor allem in Bankaktien und Spareinlagen von Banken investieren. Spanische Banken haben ein grossflächiges Filialnetz und übernehmen für den Staat viele Funktionen. So kann man bei der Bank seine Steuern und sogar Strafzettel bezahlen, die Bank zahlt die monatlichen Pensionen in bar aus und ist quasi für alle Finanzthemen Ansprechpartner Nummer eins.

Aktionäre und Sparer stehen beim Banco Popular damit vor dem Totalverlust ihrer Ersparnisse

Vor gut einem Jahr hatte der Banco Popular unter seinen Kunden noch einmal gross Geld eingesammelt. Mit der Kapitalerhöhung und der Ausgabe von Bonds sollte ein stabiles finanzielles Fundament für die Zukunft geschaffen werden. Diese Produkte wurden an Jung und Alt quasi über den Bankschalter hinweg verkauft.

Sind die Aktionäre vom Banco Popular wirklich selber schuld?

In Deutschland gilt ja allgemein die Meinung, dass ein Aktionär ja selber schuld sei, wenn er sein Geld verliere. Schliesslich ist Aktien halten Zockerei und Zocker haben es verdient bestraft zu werden. So weit so irrational. Grundsätzlich muss gesagt werden: der Aktionär hat natürlich Recht auf Informationen seitens der Geschäftsführung des Unternehmens. Beim Banco Popular wird zu prüfen sein, ob die Informationspolitik gerade auch zum Thema Verluste der vergangenen Jahre ausreichend war. Allerdings bringt das den Aktionären dennoch das Geld nicht zurück.
Schlimm genug, dass die Aktionäre innerhalb von 3 Tagen einen Totalverlust erleiden mussten. Hier zur Verdeutlichung der Chart der Aktie Banco Popular:

Depositare vom Banco Popular werden enteignet

Festgeld gibt es in Spanien praktisch nicht. Statt Festgeld legen Sparer ihr Geld in Banken-Depos an. Sogenannte „Depósitos“. Und die wurden jetzt vom neuen Eigentümer Banco Santander explizit von der Rettung ausgeschlossen. Das bedeutet, dass Sparer vollkommen enteignet werden. Ein historischer Vorgang, weil so etwas noch nie in Spanien vorgekommen ist. Es erscheint als ideale Blaupause für zukünftige Banken-Rettungen, zum Beispiel in Italien.

Banco Popular: warum ein Bank Run verhindert werden sollte.

Ein Bank-Run ist der Moment, an dem die Kunden einer Bank versuchen, zu retten was nicht mehr zu retten ist und alle Einlagen abheben. Bei einer Mindestreserve von 1% bei der EZB ist schnell klar, dass das nicht gutgehen kann. Kurioserweise hatte ich am Dienstag einen Notartermin, bei dem der Banco Popular eine Grundschuld löschen musste. (Spanien-Kenner wissen: für die Löschung einer Grundschuld müssen Bankangestellte mit Prokura zum Notar laufen und dort die „Escritura“ der Löschung unterschreiben) Kurioserweise wussten beide Prokuristen nichts von der Schieflage ihrer eigenen Bank! Auf einen Bank Run waren sie also denkbar schlecht vorbereitet.

Banco Popular Pleite ist für die EU der Idealfall, der Mode machen soll

Historisch macht die Banco Popular Banken-Abwicklung die neue Gesetzeslage in Europa. Die Zeiten der Staatshaftung (Bundeskanzlerin Merkel hatte in einer historischen Rede gesagt, Spareinlagen bei Banken wären staatlich gesichert, hier der genaue Wortlaut bei Spiegel Online) sind definitiv vorbei. Jetzt müssen die Kunden schon selber schauen, ob und wie sie ihr Geld wiedersehen. Bei einer Einlagen-Ratio zu Auslagen von 1% sollte jeder Kunde selbst entscheiden, wie sicher seine Einlagen sind. Wer mehr über Mindestreserve und Einlagensicherung lesen möchte, dem sei dieser Beitrag bei Wikipedia empfohlen.

Banco Popular nur eine von vielen Risiko-Banken

Banco Popular ist nur eine von vielen weiteren Risiko-Banken. Finanzkontor Kunden sind keine betroffen, weil ich seit Jahren davor warnte, mit dieser Bank Geschäfte zu machen. Dabei war das die Bank, bei der ich vor 28 Jahren mein erstes Konto eröffnete. Schliesslich war die Banco Popular damals mit meinem Arbeitgeber, der Allianz-Versicherung quasi „verheiratet“.
Allerdings habe ich seit Jahren keine Geschäftsbeziehung mehr mit Banco Popular. Momentan kann ich nur zwei Banken fürs Banking in Spanien empfehlen: den Banco Santander und die La Caixa. Allerdings würde ich dort niemandem raten, „Depósitos“ anzulegen. Wenn Sie finanzieren möchten, haben Sie mit der deutschen LBS den besseren Ansprechpartner. Und wenn Sie über 55 Jahre alt sind, sollten Sie unbedingt diesen Artikel lesen.

Lehren aus der Banco Popular Pleite

Die einzige Lehre aus der Banco Popular Pleite ist: legen Sie ihr Geld nicht bei Banken an. Ihr Geld ist dort nicht sicher. Erinnern Sie sich an den Rechen-Unterricht in Ihrer Grundschule. Wenn nur 1% der Kundengelder als Sicherheit hinterlegt werden, wie wahrscheinlich ist dann, dass Sie Ihr Geld zurück bekommen? Lassen Sie sich nicht vom Banken Marketing beeinflussen. Sicher Geld anlegen heisst, dass Ihr Geld über Treuhand-Konten in echte Werte investiert wird. Mallorca-Residente sollten diesen Artikel lesen. Und Nicht-Residente auf Mallorca, die lediglich eine Finca auf Mallorca haben, sollten sich über Geldanlage bei Banken hier informieren. In jedem Fall ist zu sagen, dass es ohne Bank einfacher, günstiger und besser geht. Schauen Sie sich meinen Fonds Shop an. Hier können Sie online ein Konto eröffnen und Ihr Geld in Muster-Portfolios investieren und zahlen NICHT die Ausgabe-Aufschläge, die sonst bei vielen Banken fällig werden und die sich auf tausende Euro belaufen können! Oder Sie möchten mit Ihrem Geld nicht nur Rendite erwirtschaften, sondern auch noch etwas Gutes tun? Dann lesen Sie diesen Artikel zum Thema Crowdfunding auf Mallorca!
Was halten Sie von der Pleite des Banco Popular? Sind Sie auch betroffen? Diskutieren Sie mit. Schreiben Sie mir Ihre Sorgen und Nöte. Gerne erwarte ich Ihr Feedback.