Sell in May – Unsinn oder guter Rat?

Sell in May – Unsinn oder guter Rat?

Sell in May – Unsinn oder guter Rat?

Jedes Jahr im Mai stellt sich für Anleger die gleiche Frage: Sell in May and go away? Und wenn ja, wohin geht man am Besten? Und wann kommt man zurück? Viele Fragen bleiben offen. Hier eine Analyse dieser sogenannten Börsenweisheit.

Finanzkontor Christoph Albeck bietet Geldanlage mit persönlicher Beratung. Der nachfolgende Börsenreport gibt die Einschätzung von Christoph Albeck wieder und stellt keine Anlageberatung dar. Im Finanzkontor Fonds Shop können Privatanleger kostengünstig ihre Anlagestrategie umsetzen oder eines von drei Modellportfolios nachbilden.

Sell in May – Unsinn oder guter Rat?

„Hin und Her macht Taschen leer“. Dieses deutschsprachige Börsensprichwort warnt davor, bei der Wertpapieranlage mit einer großen Zahl von Kauf- und Verkaufsentscheidungen übereifrig zu sein. Sicher ist, dass häufige Transaktionen die Kosten erhöhen. Doch die Mahnung gilt wohl auch, wenn die Transaktionskosten gering sind. Denn nüchterne Analysen und Studien zum Anlegerverhalten zeigen, dass Anleger gerade bei Aktieninvestments oft ein schlechtes Timing zeigen. Mit einer Strategie „Kaufen und liegen lassen“ würden viele Investoren besser abschneiden als mit einem hektischen Hin und Her. Dies gilt um so mehr für aktiv gemanagte Fonds, bei denen es die Aufgabe des Fondsmanagements ist, das Portfolio an die aktuellen Gegebenheiten anzupassen.

Doch die Versuchung ist groß, mit eigenem Timing den Anlageerfolg vergrößern zu wollen. Zu den bekanntesten Börsensprichwörtern gehört „Sell in May and go away“, also der Rat, im Mai zu verkaufen. Diese sogenannte „Börsenweisheit“ würde sich wohl nicht so hartnäckig halten, wenn nicht eine Reihe von Statistiken als „Beweis“ herangezogen werden könnten. Tatsächlich belegen empirische Studien, dass die Aktienmärkte gerade in den Sommermonaten durchschnittlich schwächer abschneiden als im Winterhalbjahr. Weil der Oktober trotz einiger spektakulärer Kurseinbrüche im Durchschnitt doch positiv ist, wird die Empfehlung „Sell in May an go away“ oft mit dem Hinweis ergänzt „but remember to come back in September“:

Sell in May – Unsinn oder guter Rat? – die Probleme, wieder einzusteigen

Wenn man die Regel Sell in May beachtet. Wann ist denn dann der richtige Zeitpunkt wieder einzusteigen? Und mit wieviel Prozent des Kapitals? Man solle sich also daran erinnern, im September zurückzukommen, also wieder Aktien zu kaufen, bevor der statistisch klar positive Jahresabschnitt beginnt.

Eine 2002 veröffentlichte Studie basierte auf der Auswertung von Aktienindizes in 37 verschiedenen Ländern zwischen 1970 und 1988. In allen Ländern mit der einzigen Ausnahme Neuseeland konnten demnach in den Wintermonaten überdurchschnittliche Renditen erzielt werden. Wirklich statistisch signifikant ist allein das überdurchschnittliche Abschneiden der Aktienmärkte in den ersten Wochen eines Kalenderjahres, was für saisonal-regelmäßige Kapitalzuflüsse spricht. Nach der an den Börsen ruhigeren Weihnachts- und Jahresendzeit wird im Januar Kapital „allokiert“ und „frisches Geld“ angelegt. Insbesondere die Neigung, Ergebnisse für Kalenderjahre zu messen und zu bewerten, führt zu „strategischen“ Anlageentscheidungen am Anfang eines jeden Jahres. „Sell in May“ ist nach Einschätzung von Kapitalmarktexperten eine der besser funktionierenden Börsenweisheiten. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege der Deutschen Bank, nannte unlängst die geringeren Börsenumsätze während der Sommermonate als einen Grund: Schlechte Nachrichten würden so stärker durchschlagen.

Sell in May – Unsinn oder guter Rat? – am größten Aktienmarkt der Welt funktioniert die Regel nicht.

Neue Statistiken zeigen jedoch erhebliche Unterschiede zwischen verschiedenen Vermögenswerten und Aktienindizes. Die durchschnittliche Schwäche in den Monaten ab Mai ist demnach vor allem für die Aktienmärkte außerhalb der USA zu beobachten gewesen, was etwas verwundert, weil man den Ursprung der „Sell in May“-Regel doch am US-Aktienmarkt vermutet. Im Untersuchungszeitraum von 1988 bis 2017 betrug die durchschnittliche Wertentwicklung zwischen dem 1. Mai und dem 15. September bei dem marktbreiten US-Aktienindex S&P 500 ca. +1,2 Prozent. Demnach hätte man seine US-Aktien besser den Sommer über gehalten. Bei vielen Aktienindizes für Europa und Asien ergaben sich dagegen zwischen dem 1. Mai und dem 15. September negative Durchschnittswerte. So büßte der britische Leitindex FTSE 100 in diesen viereinhalb Monaten durchschnittlich 0,4 Prozent ein. Beim europäischen STOXX 600 ergab sich sogar ein durchschnittliches Minus von einem Prozent. Beim MSCI Asia Pacific belief sich die durchschnittliche Negativ-Performance für die Sommermonate auf 1,2 Prozent. Das scheint nicht viel zu sein, summiert sich aber über viele Jahre. Jedes Jahr einen Verlust von einem Prozent zu vermeiden, bedeutet bei einem längeren Anlagezeitraum dann schon einen nennenswerten Unterschied. Das zeigt eine Beispielrechnung für den DAX: Anleger, die 1988 umgerechnet 10.000 Euro in den DAX investiert und ihre Position jedes Jahr Anfang Mai aufgelöst und erst zu Septemberbeginn wieder angelegt hätten, konnten sich bis zum August 2017 über eine Summe von 133.233 Euro freuen. Investoren, die durchgehend investiert gewesen wären, hätten jedoch „nur“ 114.332 Euro erzielt. Die Sell-in-May-Strategie hätte so also zu einem knapp 20.000 Euro höheren Erlös geführt.

Sell in May – Unsinn oder guter Rat auch bei anderen Investments?

Untersucht wurde auch, ob die Regel auf andere Investments anwendbar ist. Bei US-Hochzinsanleihen, also Unternehmensanleihen mit höherem Risiko, lag die durchschnittliche Wertentwicklung im genannten Sommer-Zeitraum bei 2 Prozent. Etwas besser fiel das Durchschnittsergebnis bei den weniger riskanten US-Staatsanleihen aus, wo ein Anstieg von 2,8 Prozent ermittelt wurde. Keine signifikante Performance zeigte die Krisenwährung Gold. Dass der Goldpreis in den Sommermonaten durchschnittlich rund 0,6 Prozent an Wert gewinnen konnte, rechtfertigt kein „kalendarisches Timing“ bei Edelmetallen.

Aber auch die Anwendung auf Aktieninvestments ist in der Praxis schwieriger als die Statistiken vermuten lassen. So gibt es keine klare Empfehlung, sofort Anfang Mai oder erst Mitte oder Ende des Monats zu verkaufen. Und am Beispiel Dow Jones lässt sich belegen, dass dieser im Mai nicht zuverlässig abwärts tendierte: Basierend auf Daten, die bis 1950 zurückgehen, überwogen positive Monate 35 zu 32. Und bei einem Beobachtungszeitraum von 46 Jahren konnte der Nasdaq Composite Index sogar in 26 Jahren mit einer positiven Mai-Performance abschließen. Auch beim Wiedereinstiegszeitpunkt gibt es unterschiedliche Überlegun-
gen: Soll man schon Anfang September wieder kaufen? In vielen Fällen war es besser, bis Mitte oder Ende September zu warten. Und wer den Oktober noch verstreichen ließ, verpasste zwar im Durchschnitt einen kleinen Kursanstieg, vermied in Einzelfällen aber Crash-artige Kurseinbrüche. Hinzu kommt: In der jüngeren Vergangenheit haben sich die Aktienmärkte oft nicht an das saisonale Verlaufsmuster gehalten. Der ohnehin kleine Durchschnitts-Vorteil schrumpft dadurch noch weiter. Weil es in jedem einzelnen Jahr äußerst fraglich ist, ob sich die Märkte an die „Sell in May“-Regel halten, ist „Hin und Her macht Taschen leer“ letztendlich
wohl der bessere Rat.

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Über den Autor dieses Beitrags: Christoph Albeck ist Investor und professioneller selbständiger Anlageberater in Frankfurt am Main. Er berät Kunden bei Fragen zur Internationalisierung ihrer Geldanlage. Internationalisierung und Diversifizierung ist unter Risiko-Gesichtspunkten für jeden Anleger dringend geboten. Schwerpunkt seiner Beratung sind daher internationale Kapitalmärkte, steuerliche Strukturierung, Vermögens-Schutz sowie Auslandsimmobilien als Kapitalanlage und Direktinvestments in Grund und Boden. Sein Motto: „wer nicht streut rutscht aus“. Christoph Albeck hat seit über 25 Jahren seinen Zweitwohnsitz auf Mallorca und natürlich prägt das Leben auf dieser wunderbaren und internationalen Insel seine Sicht der Dinge. Er ist selber auf Mallorca als Immobilieninvestor und Bauträger tätig und kennt die Perspektive des Käufers. Er kennt die Zweifel, die sich bei einem Finca Kauf auf Mallorca zwangsläufig ergeben und gibt auf seinem Blog finanzkontor.es Tipps zu GeldanlageGeld verdienen mit Mallorca Immobilien, Crowdfunding auf MallorcaVermietung und zu Steuern. Christoph Albeck hat nach seinem Abschluss als Diplom-Volkswirt jahrelang auf Leitungsebene bei internationalen Banken gearbeitet. Er verfügt daher über ein exzellentes Netzwerk und beste Kontakte zu den führenden Maklern, Bauträgern, Rechtsanwälten und Banken.

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