Warum die Zinswende ausfällt

Warum die Zinswende ausfällt

Warum die Zinswende ausfällt – Geduldsprobe niedrige Zinsen
Als in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Renditen gemessen an der Umlaufrendite der Bundesanleihen schrittweise erst unter fünf Prozent, dann 1998 gar unter vier Prozent sanken, ahnten die meisten von uns sicher nicht, wohin der Weg in den folgenden 20 Jahren noch führen würde. Im Gegenteil: Viele Anleger warteten schon damals auf wieder höhere Zinsen, so wie es zuvor ja fast immer war. Und nun? Im Jahr 2018 steht die Umlaufrendite bei mageren 0,35 Prozent p.a., nachdem sie im Jahr 2016 sogar schon einmal unter null lag.

Für Anleger, die auf zusätzliche Zinseinkünfte angewiesen sind, ist diese Entwicklung ein echtes Dilemma. Hatte die Einführung der Abgeltungssteuer bei vielen Anlegern noch einen kleinen Jubel ausgelöst, weil Zinseinkünfte nur noch pauschal mit 25 Prozent versteuert werden mussten und nicht mehr mit dem persönlichen Steuersatz von bis zu 45 Prozent, ist dieser Steuereffekt angesichts der „Beinahe-Nullzinsen“ regelrecht verpufft.

Bleibt also die Hoffnung, dass nun endlich die Zinsen wieder zu steigen beginnen.

Warum die Zinswende ausfällt: Zinstrend macht aus risikolosem Zins ein zinsloses Risiko

In den USA können wir die Entwicklung steigender Notenbankzinsen bereits beobachten: dort hat die Fed den Leitzins bereits schrittweise erhöht. Von einem wirklich attraktiven Zinsniveau kann jedoch noch immer nicht die Rede sein. Erst recht nicht, wenn man aus Sicht eines Euro-Anlegers das Währungsrisiko berücksichtigen muss.
Was also konnten Anleger tun, um ihre Zinseinkünfte zu erhöhen? Der erste Schritt lag auf der Hand: die Laufzeiten verlängern. Wer sich länger festlegt, bekommt in der Regel eine höhere Verzinsung, auch an den Anleihemärkten. Das ging eine ganze Zeit gut. Doch als sogar Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit unter die Null-Linie abtauchten, war auch diese Möglichkeit dahin. Wer zu diesem Zeitpunkt sein Geld in eine solche Bundesanleihe investiert hätte, hätte bei der Rückzahlung zum Nennwert zehn Jahre später nicht das Geld zurück, das er für den Kauf der Anleihe investieren musste. Ein Kursverlust zwischen Anschaffungspreis und Rückzahlung war vorprogrammiert.

Anleihen: Gläubiger machen aus risikolosem Zins ein zinsloses Risiko

Ohne eine gewisse Risikobereitschaft, Kursverluste auszuhalten, ist selbst die Anlage in den sichersten Staatsanleihen nicht mehr möglich. Das ist aber geradezu ein Paradox: denn wenn die Renditen wieder anziehen sollten, werden gerade langlaufende Anleihen ungeachtet ihrer Bonität Kursverluste erleiden.

Eine andere Möglichkeit, höhere Renditen zu erwirtschaften, lag und liegt darin, bei der Bonität des Schuldners Kompromisse einzugehen. Tatsächlich haben weltweit immer mehr Anleger unter dem Eindruck fallender Zinsen diesen Weg gewählt. Sie gingen damit allerdings immer höhere Risiken ein, bis auch für so genannte „Schrott-Anleihen“ mit schlechter und schlechtester Bonität kaum mehr Risikoaufschläge gegenüber guter Qualität zu verdienen waren. Im Sektor der Mittelstandsanleihen hat dann auch schon so mancher Anleger zu spüren bekommen, welche Risiken es bedeutet, in schlechtere Bonitäten zu investieren, denn die Insolvenz so manches Emittenten ging nicht spurlos an den Märkten vorbei.

Genau aus diesem Grund wenden sich Anleger alternativen Anlagen zu. Eine beliebte Möglichkeit ist Crowdfunding und alternative Investmentfonds, die nach wie vor hohe Erträge bei kurzen Laufzeiten liefern.

Risikolose Geldanlagen gibt es nicht (mehr)

Risikolose Geldanlagen gibt es nicht mehr. Denn auch Staatsanleihen bergen grundsätzlich das Risiko, verspätet, nur teilweise oder schlimmstenfalls gar nicht zurückgezahlt zu werden. Schon die steigende Angst davor, dass es so kommen könnte, führt dann zu starken und plötzlichen Kursverlusten.

Beispiele dafür aus der jüngeren Geschichte sind Anleihen von Venezuela oder jüngst Russland unter dem Eindruck der US-Sanktionen gegen das Land.

Hinzu kommen auf der Suche nach höheren Zinsen meist Währungsrisiken, denn die Zinsen im Euro-Raum sind niedriger als beispielsweise für Dollar-Anlagen. Aber nahezu alle Währungen schwanken – mehr oder weniger heftig – gegen den Euro. Die europäische Gemeinschaftswährung gilt als Hort der Stabilität und wertet langfristig gegenüber fast allen anderen Währungen auf, was also Währungsverluste bedeutet, wenn das investierte Geld wieder in Euro zurückgetauscht wird.

Gerade Währungen mit nominell auf den ersten Blick attraktiven Zinsen sind meist schwächer. Jüngste Beispiele dafür liefern der Russische Rubel oder die Türkische Lira, die allein in den vergangenen Wochen Verluste im zweistelligen Prozentbereich einfuhren.
Wie hoch müsste da ein Renditevorteil sein, um solch hohe Verluste aufzufangen?

Um einen zehnprozentigen Währungsverlust innerhalb eines Jahres auszugleichen, müsste der Renditevorteil bei eben diesen 10 Prozent p.a. liegen: ein sicherlich schwieriges Unterfangen.

Welche Möglichkeiten hat der Zinssparer aus heutiger Sicht? Das erste, was der Zinsanleger benötigt, ist Geduld. Denn wie schnell die Zinsen hierzulande anziehen werden und wie weit, sind Fragen, die nicht einfach zu beantworten sind. Langfristig orientiert sich der Marktzins üblicherweise an der Inflationsrate. Doch durch die Globalisierungswelle und die damit verbundene weltweite Arbeitsteilung will die Inflation – trotz aller Bemühungen der großen Notenbanken – nicht richtig anziehen, nicht einmal auf die angestrebte Zwei-Prozent-Marke. Und das trotz gut laufender Weltkonjunktur, was in früheren Zeiten die Inflation anheizte. Lässt das Wirtschaftswachstum nach, müsste – nach alter Lehre – die Notenbank mit niedrigeren Zinsen die Konjunktur wieder unterstützen.

Warum die Zinswende ausfällt: Niedrigzinsen sind politisch gewollt

Selbst wenn die Notenbanken eigentlich die Zinsen anheben müssten, es wird bei Symbolpolitik bleiben: die mächtigen Finanzminister haben sich schlichtweg an die bequeme Situation der Niedrigzinsen gewöhnt. Schon ein Ausstieg aus der Staatsfinanzierung der Notenbanken muss vorsichtig moderiert werden. Ein Anstieg der Zinsen würde die Staatskassen durch die hohen Zinszahlungen für die Staatsschulden enorm belasten. Das Interesse der Regierungen dürfte also in einem niedrigen Zinsniveau liegen und damit konträr zu den Anlegerinteressen sein.

Die blockierte Zinswende: ein Artikel hat die Problematik untersucht.

Wer Renten sucht, sollte sich aktiv gemanagte Rentenfonds aussuchen

Das Umfeld an den Anleihemärkten ist also seit geraumer Zeit sehr anspruchsvoll. Wer als Anleger nicht stärker auf Aktien ausweichen will und Zinsanlagen sucht, sollte mehr denn je den Einsatz aktiv gemanagter Rentenfonds in Betracht ziehen. Fondsmanager sind sicherlich eher als Privatanleger in der Lage, die sich noch bietenden Chancen auf den Rentenmärkten zu nutzen und die Risiken, die mit jeder einzelnen Anleihe verbunden sind, breit zu streuen. Im richtigen Moment zu kaufen oder zu verkaufen, Positionen abzusichern oder Absicherungen wieder aufzulösen dürfte dem Fondsmanager leichter möglich sein als dem Privatkunden. Ebenso kann ein Fondsmanager auch mit Währungen arbeiten und deren Preisschwankungen ausnutzen.

Ganz so ruhig wie vor Jahrzehnten werden die Anleger ihre Zinseinkünfte in den kommenden Jahren wohl nicht mehr vereinnahmen können. Gleichwohl gehören Zinsanlagen weiterhin in die meisten gut strukturierten Wertpapierdepots, wenn wohl auch nicht mehr mit solchem Gewicht. Wer mit Renteninvestments auf Sicht der kommenden Jahre eine Zwei vor dem Komma erwirtschaftet, wird sich glücklich schätzen dürfen. Auf die Rückkehr der „Sechs-Prozenter“-Bundesanleihen werden wir wohl noch lange Zeit warten müssen.

Über den Autor dieses Beitrags: Christoph Albeck ist Investor und professioneller selbständiger Anlageberater in Frankfurt am Main. Er berät Kunden bei Fragen zur Internationalisierung ihrer Geldanlage. Internationalisierung und Diversifizierung ist unter Risiko-Gesichtspunkten für jeden Anleger dringend geboten. Schwerpunkt seiner Beratung sind daher internationale Kapitalmärkte, steuerliche Strukturierung, Vermögens-Schutz sowie Auslandsimmobilien als Kapitalanlage und Direktinvestments in Grund und Boden. Sein Motto: „wer nicht streut rutscht aus“. Christoph Albeck hat seit über 25 Jahren seinen Zweitwohnsitz auf Mallorca und natürlich prägt das Leben auf dieser wunderbaren und internationalen Insel seine Sicht der Dinge. Er ist selber auf Mallorca als Immobilieninvestor und Bauträger tätig und kennt die Perspektive des Käufers. Er kennt die Zweifel, die sich bei einem Finca Kauf auf Mallorca zwangsläufig ergeben und gibt auf seinem Blog finanzkontor.es Tipps zu GeldanlageGeld verdienen mit Mallorca Immobilien, Crowdfunding auf MallorcaVermietung und zu Steuern. Christoph Albeck hat nach seinem Abschluss als Diplom-Volkswirt jahrelang auf Leitungsebene bei internationalen Banken gearbeitet. Er verfügt daher über ein exzellentes Netzwerk und beste Kontakte zu den führenden Maklern, Bauträgern, Rechtsanwälten und Banken.

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